Wenn man heute die größten Solarparks betrachtet, reicht die Maßeinheit Megawatt (MW) kaum noch aus. Die Kapazitäten dieser Anlagen werden im Gigawatt-Bereich (GW) gemessen – wobei 1 GW theoretisch ausreicht, um knapp eine Million europäische Haushalte zeitweise mit Strom zu versorgen.
Khavda Renewable Energy Park (Indien) – Der zukünftige Rekordhalter
Dies ist nicht nur ein Solarprojekt, sondern ein logistisches Wunder. Die Region in Gujarat ist so lebensfeindlich, dass es dort nicht einmal Wildtiere oder Vegetation gab, bevor die Bagger anrollten. Arbeiter haben mit extremen Staubstürmen und Temperaturen von über 50 Grad Celsius zu kämpfen. Um die Effizienz der Module in dieser extrem staubigen und salzigen Umgebung aufrechtzuerhalten, plant der Betreiber den massiven Einsatz von wasserlosen Reinigungsrobotern.
In der indischen Salzwüste von Gujarat entsteht aktuell ein Hybrid-Kraftwerk, das alle bisherigen Dimensionen sprengt. Der Khavda Renewable Energy Park wird auf einer Fläche von über 720 Quadratkilometern – fast so groß wie New York City – Solar- und Windenergie kombinieren. Nach seiner endgültigen Fertigstellung soll er eine unvorstellbare Kapazität von 30 GW erreichen und damit mehr Strom produzieren als manch kleiner Staat insgesamt verbraucht.
Xinjiang und Gonghe Talatan (China) – Die asiatischen Giganten
Ein faszinierender Aspekt des Gonghe Talatan Parks ist die Verbindung von Hochtechnologie und Landwirtschaft (Agri-Photovoltaik). Um zu verhindern, dass wild wucherndes Gras die Solarmodule verschattet und bei Trockenheit eine Brandgefahr darstellt, weiden dort Tausende von Schafen. Diese „Solar-Schafe“ sparen nicht nur mechanische Rasenmäher, sondern stützen auch die lokale Landwirtschaft der ansässigen Hirten.
China dominiert die Ranglisten der weltweit operierenden Solarparks. Der erst kürzlich massiv ausgebaute Solarpark in der Provinz Xinjiang ging mit gigantischen 5 GW ans Netz. Ein weiterer Spitzenreiter ist der Solarkomplex in Gonghe Talatan (Qinghai), der kontinuierlich erweitert wird und dessen Gesamtkapazität in der Region bereits bei weit über 2,2 GW liegt, mit Plänen für zweistellige Gigawatt-Werte in der Zukunft.
Bhadla Solar Park (Indien)
Bhadla ist in der Energiebranche vor allem wegen seiner enormen Wirtschaftlichkeit berühmt. Das Projekt hat bei Auktionen wiederholt Rekorde für die niedrigsten Solarstromtarife weltweit gebrochen, wodurch Solarenergie in Indien mittlerweile deutlich günstiger produziert wird als Kohlestrom. Das extrem trockene Klima mit häufigen Sandstürmen zwingt die Betreiber zu ständigen Innovationen: Viele Module sind mit speziellen schmutzabweisenden Beschichtungen versehen.
Mitten in der trockenen Hitze der Wüste Thar in Rajasthan befindet sich Indiens berühmtestes Solarprojekt. Mit einer installierten Leistung von 2,25 GW profitiert der Bhadla Solar Park von mehr als 300 Sonnentagen im Jahr und einer extrem hohen Sonneneinstrahlung. Er gilt als Paradebeispiel dafür, wie scheinbar nutzloses Wüstenland zu einer Goldmine für erneuerbare Energien werden kann.
Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Park (Vereinigte Arabische Emirate)
Was diesen Park von reinen Photovoltaik-Anlagen unterscheidet, ist sein komplexer technologischer Mix. Neben den herkömmlichen, flachen Solarmodulen beherbergt das Areal das größte konzentrierte Solarkraftwerk (CSP – Concentrated Solar Power) der Welt. Ein über 260 Meter hoher Solarturm bündelt das Licht abertausender ringförmig angeordneter Spiegel (Heliostaten).
Dubai setzt nicht nur auf Öl, sondern massiv auf die Sonne. Dieser Solarpark ist eines der ambitioniertesten Einzelstandort-Projekte weltweit. Derzeit liefert er über 1,6 GW, wird aber stetig erweitert, um bis zum Jahr 2030 sein Ziel von 5 GW zu erreichen. Das Projekt spielt eine zentrale Rolle in Dubais Strategie, bis 2050 den Löwenanteil seines Stroms aus sauberen Quellen zu beziehen.
Benban Solar Park (Ägypten)
Das Projekt in der Sahara ist ein Musterbeispiel für internationale Finanzierung und Kooperation. Es wurde nicht von einem einzigen Konzern gebaut, sondern das Gelände wurde in über 30 verschiedene Parzellen aufgeteilt. Diese wurden von einem Konsortium aus dutzenden unterschiedlichen internationalen Unternehmen entwickelt.
Mit massiver finanzieller Unterstützung der Weltbank-Tochter IFC (International Finance Corporation) stampfte Ägypten dieses Projekt aus dem Wüstenboden. Diese riesige Anlage in der Sahara-Wüste besteht aus über 40 einzelnen Kraftwerken, die zu einem enormen Komplex mit 1,65 GW zusammengefasst sind. Das 2-Milliarden-Dollar-Projekt ist ein entscheidender Meilenstein für die Energieunabhängigkeit Ägyptens.